Das kranke Gesundheitssystem

Das kranke Gesundheitssystem

Anregung und Kritik erwünscht

Als steter Streiter gegen ein in meinen Augen ungerechtes Gesundheitssystem, dessen Gewinner die Krankenkassen und dessen bedauerliche Opfer die Patienten sind, freue ich mich über jede Form von Zustimmung, Ratschlag, Anregung oder Kritik. Ich wünsche mir nur, dass bei aller nachvollziehbarer Emotion der gute Ton in schriftlichen Beiträgen die erste Geige spielt.

Dr. Christian Nunhofer

Viel Schweigegeld für dicke Lügen

Von Kranken und KassenGeschrieben von Dr. Christian Nunhofer 15 Aug, 2016 04:59:25
Momentan wird gewählt - und zwar sind nach sechs Jahren Periode wieder einmal die Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigungen in Bayern dran, die dann ihre drei Vorsitzenden küren. Gähn - interessiert eh keinen. Sollte es aber, falls Sie Kassenpatient oder auch Kassenarzt sind. Warum?

Grobe Orientierung für nicht in die Thematik involvierte Personen: Was treibt so eine Kassenärztliche Vereinigung, kurz "KV", gleich nochmal? Sie empfängt von den gesetzlichen Krankenkassen jene 85 Prozent Honorar, die die Kassen nach eigener Willkür für die zu hundert Prozent erbrachten ärztlichen Leistungen zu bezahlen bereit sind - ich hab mir diesbezüglich bereits des öfteren die Seele aus dem Leib geschrieben...

15 Prozent weniger Honorar für Ärzte

Egal. Nochmal: die Kassenleistungserbringersklavenärzte schuften im Quartalsdurchschnitt bei 100 Prozent Leistung und 100 Prozent Verantwortung für 85 Prozent Honorar. Die fehlenden 15 Prozent werden "Budgetüberschreitungen" genannt. Kassenärztliche Vereinigungen reißen sich das zu knappe Geld von den Kassen unter den Nagel und verteilen es in reduziertem Maße unter den Ärzten. Ansonsten tun sich KVen so ähnlich wie die EU in Brüssel hervor: Man widmet sich – ganz wie im Endlager für politische Totalversager – der Erfindung fantasievoller Regeln …

Der Job als Vorsitzender so einer Behörde bringt sicher viel Verantwortung mit sich - oder? Nun, wie man es nimmt. KVen sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Man tanzt nach der der Pfeife des Landesgesundheitsministeriums. Eigener Gestaltungsspielraum? Klar, wenn zum Beispiel neue Büromöbel angeschafft werden müssen. Ansonsten bemüht man sich, die Vorgaben der Politik praktisch umzusetzen und hält die Klappe. So wie eben in allen Ämtern.

Was verdient so ein bayerischer KV-Spitzenfunktionär? Ich kann es Ihnen nicht sagen, ohne bösartig zu werden oder von mittelalterlichen Folter-Instrumenten zu träumen. Ach so: Sie meinten, wie viel Geld er pro Jahr einnimmt? Entschuldigung.

Reicher als die Bundeskanzlerin

Laut Deutschem Ärzteblatt am 4. März 2016: (https://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=73264) bekommen der 1. Vorsitzende Krombholz und der 2. Vorsitzende Schmelz der KV Bayern je 279.528 €. Die 3. Vorsitzende Enger erhält 255.333 € - für drei Tage pro Woche in München. Zwei Tage führt sie ihre internistische Praxis in Neutraubling weiter.

Nur so zum Vergleich verbindliche Infos vom Bund der Steuerzahler: (http://www.steuerzahler.de/wcsite.php?wc_c=8697): Bundeskanzlerin Merkel kommt auf 228.655 € im Jahr, Bundesgesundheitsminister Gröhe auf schlappe 179.337 € p.a.

„Na, Frechheit, da werden die drei Spitzenfunktionäre der Kassenärzte in Bayern letztlich mit Beitragsgeldern der Kassenpatienten höher bezahlt als die Spitzenpolitiker der Republik“, werden Sie sich jetzt denken - „und wenn ich mal eine Massage will, dann mauert mein Arzt aus Angst vor der AOK!“

Hm, um das zu verstehen, muss ich Ihnen die beiden wesentlichen Funktionen eines KV-Funktionärs verraten, die ihn für Politik und Ärzteschaft so wichtig und daher so „wertvoll“ machen.

Üppiges Schmerzensgeld für den "Watschnmann"

Erstens: Politikern dient der KV-Spitzenfunktion als oft strapazierter „Watschnmann“ für alle Fälle. Ist Ihnen in den letzten Jahrzehnten schon einmal ein Gesundheitspolitiker aufgefallen, der im Klartext politische Fehler im ambulanten System anprangerte? Gewiss nicht. Es heißt doch immer, dass die ärztliche Selbstverwaltung - das ist die KV – versagt hat. Kann sie aber gar nicht, denn sie muss schlicht jede Idiotie umsetzen, die die Politik befiehlt. Man denke an Terminvergabestellen, bei denen kaum jemand anruft, deren Personal aber aus Beitragsgeldern finanziert wird.

Weil der deutsche Michel solchen Humbug jedoch nicht durchschaut, kann sich die Politik reumütige „Verantwortungsnehmer“ für den Fall unangenehmer Fragen leisten. Das sind die KV-Funktionäre, praktischerweise aus den Beitragsgeldern der Versicherten und nicht aus dem Staatshaushalt finanziert. Einem Menschen, der sich hinstellt und sämtlichen Unsinn auf seine Kappe nimmt, gebührt eben ein ordentliches Schmerzensgeld.

Zweitens: Ärzte geben die Hoffnung nicht auf, dass sich ihre Situation verbessert. Dass sie also zum Beispiel eines Tages für hundert Prozent Leistung nicht nur 85, sondern hundert Prozent Honorar bekommen.

Hinterfotzige Taktik

Dafür braucht es Vertraute, die der breiten Kassenärzteschaft vorgaukeln, sie würden sich in ihrer Eigenschaft als KV-Funktionär für dieses Ziel einsetzen. Wohl wissend, dass gerade sie gar nicht die Möglichkeit haben, etwas zu bewegen! Sie sind und bleiben Vorsitzende einer Körperschaft des öffentlichen Rechts und damit der Politik gegenüber weisungsgebunden. Geballtes Pseudoengagement beweist jahraus-jahrein vor allem Dr. Ilka Enger - die dritte Vorsitzende der KV Bayern - und hält damit ganz im Sinne der Politik die grummelnde ärztliche Basis ruhig.

Die hinterfotzige Taktik einer vermeintlichen Fürsprecherin der Ärzteschaft wird mit reichlich Silberlingen fürstlich belohnt. Die teuer bezahlte Verdummung der ärztlichen Basis funktioniert offenkundig, wenngleich sich jeder Kassenarzt nur die schlichte Frage stellen müsste, was denn die verbale Dauerpräsenz jener Dame ihm persönlich in den letzten sechs Jahren konkret gebracht hat?

Nun zu Ihnen, lieber mündiger Bürger! Ja ja, machen kann man eh nix, gell… Wenn die Kassenversicherten auf ihre Kassen einwirken und darauf bestehen würden, ihre Rechnungen beim Arzt direkt bezahlen, so wie sie das in der Autowerkstatt (in der Regel viel teurer als der Arzt!), beim Friseur, im Restaurant - ja in praktisch allen Lebensbereichen auch tun, dann bräuchte es keine Kassenärztlichen Vereinigungen mehr.

Eine erschreckend simple Lösung. In Deutschland müsste man sich nur so verhalten wie die Menschen im größten Teil der restlichen Welt. Wir hätten sogar eine „Volkstribunin“, und zwar eine echte: Schauen Sie doch mal auf die Facebookseite der Autorin und Publizistin Renate Hartwig: https://www.facebook.com/renate.hartwig.5?fref=ts.





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