Das kranke Gesundheitssystem

Das kranke Gesundheitssystem

Anregung und Kritik erwünscht

Als steter Streiter gegen ein in meinen Augen ungerechtes Gesundheitssystem, dessen Gewinner die Krankenkassen und dessen bedauerliche Opfer die Patienten sind, freue ich mich über jede Form von Zustimmung, Ratschlag, Anregung oder Kritik. Ich wünsche mir nur, dass bei aller nachvollziehbarer Emotion der gute Ton in schriftlichen Beiträgen die erste Geige spielt.

Dr. Christian Nunhofer

Nicht handeln und nur bluffen?

Das AllerletzteGeschrieben von Dr. Christian Nunhofer 25 Jul, 2017 08:44:34

Was "KV" bedeutet, habe ich an dieser Stelle schon öfter erklärt. Falsche Antworten sind "Köchelverzeichnis" (das Werkeverzeichnis Mozarts wird zwar gängigerweise auch auch mit "KV" abgekürzt) und "Krimineller Verein" … - hm, zu dieser Assoziation spare ich mir jetzt einen Kommentar.

Nein, im Medizinerkontext steht KV für "Kassenärztliche Vereinigung". Das ist die vom Landesgesundheitsministerium ausgelagerte Abteilung, die unter der Weisungsbefugnis just jenes Ministeriums steht, allerdings zu hundert Prozent von den niedergelassenen Ärzten finanziert wird, sich in erster Linie darum kümmert, wie das Geld von den gesetzlichen Krankenkassen an die Kassenärzte weiterverteilt wird, und sich drei Vorstände leistet, von denen jeder - zumindest in der KV Bayern - mehr verdient als die Frau Bundeskanzlerin.

Eifrig aber untätig

Eine meiner berufspolitischen Lieblingsgegnerinnen ist bekanntlich Ilka Martina Enger - ehemals dritte Vorsitzende im Vorstand der KV Bayern, aber nach den Neuwahlen im vergangenen Herbst im Unterschied zu ihren beiden Co-Vorständen nicht mehr in den Vorstand berufen.

Meine Aversion gegen die Dame rührt daher, dass sie die eifrige Kritikerin des Systems gibt und sich so als Tribunin des ärztlichen Basisvolks geriert, aber stets alles an konkreten Handlungen unterlässt, was dem System wirklich schaden könnte. Wer Beispiele für ihr Nicht-Handeln haben möchte, wo Handeln geboten gewesen wäre, kann gerne bei mir nachfragen.


Quasi eine Behörde

Unter uns gesagt ist solch eine KV kein hermetisch abgedichteter Verein. Das ist unmöglich bei so einem großen Verwaltungsapparat, den diese quasi-Behörde, eine "Körperschaft des öffentlichen Rechts", mit sich bringt. Nicht jeder mag jeden - und daraus, dass ich die KV und alle, die dort schalten und walten für überflüssig halte, habe ich noch nie ein Geheimnis gemacht.

Es handelt sich um einen riesigen Molch zur Verschwendung von Beitragsgeldern der gesetzlich Versicherten. Mein Lösungsansatz: Direktabrechnung zwischen Arzt und Patient wie bei Privatpatienten auch und die KVen wären überflüssig. Es herrschte Transparenz bei der Abrechnung und es stünde mehr Geld für die Patientenversorgung zur Verfügung.

Wahrheit oder böses Gerücht?

Jedenfalls hat mir anonym irgend jemand gesteckt, dass es bei der KV Bayern gang und gäbe sei, abgehalfterte Vorstände mit Schweigeg… - äh: Beraterverträgen zu beglücken. Schlappe sechstausend Euronen im Monat. Wahrheit - oder böses Gerücht?

Mal angenommen, Wahrheit: Tja, die Ex-Vorstände Axel und Wolfgang zum Beispiel, die waren sich zwar einst spinnefeind, sind jetzt aber richtige Freunde - zumindest auf Facebook, und wollten nie die KV abschaffen, auch wenn der Wolfgang für Hausärzte ein Parallelsystem zur KV aufgezogen hat. Vielleicht müssen sie als KV-Berater irgendwie zusammenarbeiten - wer weiß?

Auf der Lohnliste des Feindes?

Der Journalist Erich Neumann fragt mich am 21.06. auf Facebook: "...ist es für Sie vorstellbar, dass Dr. med. Ilka Martina Enger quasi auf der 'Lohnliste des Feindes' steht, wenn Sie einen Blick auf Ihr Handeln werfen?" Im Hinblick darauf, dass Madame eben gerade NICHT handelt, sondern nur tönt, drängt sich das "Ja" als Antwort nahezu auf.

Besonders infam, dass selbige Ilka Enger jüngst in ihrer "Hamburger Erklärung" für die "Rückgabe der Sicherstellung" wirbt, was auf gut deutsch bedeutet: die Abschaffung der KVen. Das kann sie wohl nicht ernsthaft wollen, falls sie wirklich gleichzeitig von der KV Bayern monatlich sechstausend Euro kassiert, oder?

Nur ein weiterer Bluff?

Ist demnach diese "Hamburger Erklärung" nur einmal mehr das, was ich Frau Enger seit langem unterstelle: ein weiterer Bluff zur Sedierung der ärztlichen Basis? Nun denn, Gott sei Dank gibt es ja eine tatkräftige Opposition in der Vollversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, nämlich den Bayerischen Facharztverband BFAV: Wäre doch gelacht, wenn es dieser Truppe nicht gelänge, Licht ins Dunkel echter oder vermeintlicher Beraterverträge zu bringen!

Und dann flugs die externe Rechnungsprüfung eingeschaltet! Oder die Dienstaufsicht beim Ministerium? Halt, stopp, … zu der Truppe BFAV gehört ja ausgerechnet Frau Enger … - da wird sozusagen die Böckin , äh: Geiß zur Gärtnerin gemacht. Und jetzt?

"Unsichtbar machen" wäre typisch

Na, wahrscheinlich läuft's richtig politisch: Nachdem mit dem Wolfi, dem Axel und der Ilka die Granden der großen Fraktionen des KV-Parlaments betroffen sind, wird's wohl auf die erste der bekannten "Fünf Herrschaftstechniken" hinauslaufen: "Unsichtbar machen". Dazu passt auch, dass auf den Blogbeitrag so gar keine Reaktion erfolgt ist.

Spezifisch bayerisch ist das Problem sicher nicht. Und Sie, das ärztliche Basisvolk? Claquieren Sie Ilka Enger munter weiter, ganz im Geiste Diederich Heßlings? Lassen Sie sich unverändert von ihr auf die Schippe nehmen und entrichten Sie unverdrossen Ihren Beitrag an den BFAV oder wer immer es sonst nicht richten wird? Auf dass das System stabil bleibe von nun an bis in Ewigkeit. Amen!





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